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Nov 19

Globalisierung des Innovationsmanagements: Cisco als Vorbild?

Globale Top-Innovatoren steuern Innovationen über Innovationszentren, die sie zunehmend über den Globus verteilen. Mehrere wichtige Gründe sprechen dafür: die Innovationszentren für einzelne Produktsparten können in die Länder platziert werden, in denen die lokale Geschäftssparte des Unternehmens besondere Stärken hat oder in denen sie sich mit einer besonders starken Konkurrenz auseinandersetzen muss; den Mitarbeitern der Region können interessantere Karrieremöglichkeiten geboten werden; Standorte können dorthin platziert werden, wo es einen besonders großen Talentpool gibt, der meist auch noch wesentlich weniger kostet.Die Gesundheitssparte von GE, einem der 10 Top-Innovatoren laut des Innovation Survey von Boston Consulting, lässt heute Magnetresonanztomographen, die normalerweise Millionen kosten, für einen Zielpreis von einer halben Million US $ in ihrem Innovationszentrum in Shanghai entwickeln mit der Option, diese Geräte später in andere Länder zu exportieren. Und selbst Google, die Nr. 2 des BCG Innovation Survey, dezentralisiert seine Innovationstätigkeit weg von einem einzigen Innovationszentrum in Mountain View. Inzwischen besitzt Google bereits 25 Forschungs- und Entwicklungszentren in aller Welt.
Eine der großen Herausforderungen der Globalisierung von Unternehmen und damit der Globalisierung des Innovationsmanagements ist die Koordination, Zusammenarbeit und Kommunikation der verschiedenen Unternehmensteilen. Ein mögliches Vorbild dafür könnte in Zukunft Cisco werden.
Cisco ist als USamerikanisches Unternehmen und als Marktführer für Netzwerkausrüstung, die das Internet ermöglicht, groß geworden. Cisco hat diese Ausrüstung immer sofort selbst genutzt, um selbst produktiver, schneller und innovativer zu werden und um basierend auf der eigenen Anwendungserfahrung diese Ausrüstung dann an seine Kunden zu verkaufen.
Jetzt geht Cisco den nächsten Schritt. Cisco stellt sich als globales Unternehmen auf mit Hauptquartieren an verschiedenen Orten dieser Welt, und es dezentralisiert dabei sein Innovationsmanagement. Auf dem Weg dahin will Cisco die kollaborativen Geschäftsprozesse zwischen seinen verschiedenen Unternehmensteilen stärken, vor allem mit Hilfe von Web 2.0 Technologien. Cisco ist überzeugt, dass diese Phase II des Internets dramatische Innovationssprünge und Produktivitätsverbesserungen ermöglichen wird. Auch in der Eigenanwendung der Web 2.0 Technologien will Cisco wieder Vorreiter sein, um sie umso überzeugender an seine Kunden verkaufen zu können.
Am 31.Oktober hat Cisco sein Globalisierungszentrum Ost in Bangalore, Indien eröffnet. Wim Elfrink, Ciscos Chief Globalization Officer, wird nach Bangalore umziehen zusammen mit zunächst 20 Top-Managern. Insgesamt 1200 Mitarbeiter sollen in der ersten Phase im Globalisierungszentrum arbeiten. Das Globalisierungszentrum soll u.a. ein Innovationszentrum umfassen. Prototypen für ganz neue Dienstleistungen wie vernetzte Immobilien, mobile Services oder Dienstleistungen für Analphabeten sollen hier entworfen werden für den gesamten “Osten”, d.h. Asien, Mittlerer Osten und Afrika. Mittelfristig mag dann die eine oder andere dieser Innovationen in die entwickelte Welt exportiert werden.
Eine der eigenen Web 2.0 Technologien, die das Rückgrat für Ciscos Globalisierung bilden wird, ist Cisco innovative TelePresence Telekonferenz-Technologie auf Basis des Internet-Protokolls, die Ende letzten Jahres eingeführt wurde. TelePresence soll zum ersten Mal Telekonferenzen über das Netzwerk in einer Qualität ermöglichen, als säßen die Gesprächspartner persönlich auf der anderen Seite des Konferenztisches. Cisco selbst hat bereits 110 TelePresence Systeme weltweit installiert. In der ersten Hälfte dieses Jahres haben Cisco Mitarbeiter 17000 virtuelle Meetings mit Hilfe von TelePresence geführt.
Inzwischen hat Cisco die ersten 50 Kunden für sein TelePresence System gewonnen. John Chambers, Ciscos Vorstandsvorsitzender, berichtet von einer vorher nicht gesehenen Begeisterung seiner Kunden. Die Vorstandsvorsitzenden seiner Kundenunternehmen würden ganz schnell nicht nur das Potential zur Kosten- und Zeiteinsparung durch diese innovative Technologie erkennen, sondern auch die Möglichkeit zur Transformation der eigenen Unternehmen. Die Hauptmotivatoren für den Erwerb von TelePresence seien, neue Produkte und Dienstleistungen zu kreieren, breiter als vorher Erfahrungen einholen und nutzen zu können und Entscheidungen, Umsetzung und time-to-market zu beschleunigen.
Cisco bei seiner Globalisierung und Anwendung von Web 2.0 Technologien im Innovationsmanagement zu beobachten, wird deshalb wohl lohnenswert sein. Bislang konnten schon inkrementale Innovationen in gewissem Umfang mittels virtueller Innovationsteams gemanagt werden, die allerdings in zeitlichen Abständen in “face-to-face” Meetings zusammenkommen mussten, während radikale Innovationen die permanente Co-Location der Teammitglieder erforderten. Wahrscheinlich können in Zukunft doch mehrere der bisher nicht verzichtbaren weltweiten “face-to-face” Meetings durch Telepresence-Meetings ersetzt werden .

(c) Rolf-Christian Wentz

Quellen: